Tutzinger Nachrichten, Ausgabe Januar 2014

Welche Entscheidungen und Themen sind für die Freien Wähler Tutzing die wichtigsten für die nächsten Jahre?

Bauliche Entwicklung
Die TN haben wiederholt und zu Recht auf die baulichen Fehlentwicklungen der letzten Jahre in Tutzing hingewiesen. Dabei gibt es die bauplanungsrechtlichen Instrumentarien, um die bauliche Entwicklung eines Ortes in geordnete Bahnen zu lenken. Die Gemeinde kann damit erreichen, dass nur maßvoll nachverdichtet wird. Sie kann für den Erhalt alter, ortsbildprägender Gebäude statt für Baurechtsmaximierung bei oft recht beliebiger Architektur sorgen. Dazu braucht es aber einen Bürgermeister, der sich für eine behutsame Ortsgestaltung einsetzt und nicht vorrangig für den Bau exklusiver, möglichst großer Eigentumswohnungsanlagen (wie Seehof, lake side living). Der Amtsinhaber vermittelt den Eindruck, sich mehr um die Interessen derer zu sorgen, die vom boomenden Tutzinger Immobilienmarkt profitieren wollen. Aktuelle Beispiele dafür finden sich auf dem winzigen Fleckchen Grund, das ein Tutzinger Bauträger am Gemeinderat vorbei hinter Sport-Thallmair völlig überzogen bebaut und dem Gebäude, das an der Ecke Benedikten-/ Pauliweg entsteht und das sicher als ein Negativbeispiel für Bauen in Tutzing gelten darf. Mehr Sensibilität im neuen Gemeinderat bei der Bauleitplanung und im Bauausschuss würde sich gewiss positiv auf die weitere Ortsentwicklung auswirken.

Ortsentwicklung und Infrastruktur
Wir sind sehr in Sorge, dass sich die derzeitige Verbauung Tutzings ungebremst fortsetzt. In Tutzing und seinen Ortsteilen gibt es Baurecht für rd. 500 Wohneinheiten, das noch nicht realisiert ist. Die Infrastruktur reicht aber schon heute nicht mehr aus, die Straßen sind überlastet, die Fußgängersicherheit ist nicht gewährleistet. Wir werden daher Pläne des Bürgermeisters und einer Ratsmehrheit nicht unterstützen, die unter der irreführenden Überschrift „Ortsabrundung“, „Einheimischen-Modell“ oder „Tutzinger Modell“ bisherige Wiesen am Ortsrand zu Baugrund machen, den die Grundeigner dann weitgehend zu den Preisen am freien Immobilienmarkt verkaufen können. Eine Ausweisung neuen Baurechts an den Ortsrändern kommt für uns nur in Frage, um Gewerbegrund und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Wie unter früheren Bürgermeistern muss die Gemeinde wieder vorausschauend Außenbereichsflächen erwerben, baureif machen und für Wohnen und Gewerbe günstig an Einheimische verkaufen. Davon haben alle etwas: Die Verkäufer erhalten einen Anteil an der Wertsteigerung ihrer vorher nicht bebaubaren Grundstücke, gerade jüngere Tutzinger und Gewerbetreibende, die man doch am Ort halten möchte, können weit unter dem Marktpreis ein Baugrundstück erwerben. Bernried tut vorbildhaft auf diese Weise etwas für seine Bürger; warum hat Tutzing in dieser Amtsperiode trotz unserer Forderungen nichts Vergleichbares für die Einheimischen getan?

Lebenswertes Tutzing für Jung und Alt
In der ablaufenden Wahlperiode hat Tutzing wichtige Einrichtungen für seine Bürger verloren. Entgegen den Einschätzungen kompetenter Fachleute und ohne Not hat der amtierende Bürgermeister den sofortigen Abriss der TSV-Turnhalle betrieben und eine kostengünstige Sanierung des Schwimmbads verhindert. Aus dem von ihm groß angekündigten Jugendtreff ist nichts geworden. Auch der Erhalt der für Tutzing so wichtigen Schulvielfalt findet beim Bürgermeister keine vorbehaltlose Unterstützung.
Der neue Gemeinderat und der neue Bürgermeister haben daher wichtige Entscheidungen zu treffen: Soll auf dem Grundstück, auf dem die TSV-Turnhalle stand, ein Haus der Vereine mit einem Bürgersaal entstehen? Unterbaut mit einer größeren Tiefgarage? Wie und mit welcher Nutzung erhalten wir den Guggerhof? Wo kann ein Jugendtreff entstehen? Wir wollen den Tutzinger Keller, dem Pächter muss endlich Planungssicherheit gegeben werden, mit einem geringen Sanierungsaufwand ließe sich dort auch viel erreichen. Der Neubau der Kindereinrichtung „Rotkreuzalm“ darf nicht mehrstöckig erfolgen, um dort nicht mitten im Landschaftsschutzgebiet die Begehrlichkeiten auf ein neues Siedlungsgebiet Tutzing-West weiter wachsen zu lassen. Wo und durch wen wird neuer Wohnraum für seniorengerechtes Wohnen geschaffen?

Finanzen und Gewerbe
Der Ortskern muss aufgewertet werden. Die Gemeinde soll sich mehr für Erhalt und Vielfalt der Einkaufsmöglichkeiten im Ortszentrum einsetzen. Wir wollen, dass anstelle von KiK an der Lindemannstraße ein Drogeriemarkt entsteht, dort gibt es genügend Parkplätze. Wir teilen nicht die Ansicht des Bürgermeisters, im entstehenden Gewerbebau an der Ecke Bahnhof-/ Bräuhausstraße anstelle der vorgesehenen – mehr Gewerbesteuer zahlenden – Unternehmen ein großes Einkaufszentrum für – kaum Gewerbesteuer zahlende – Filialgeschäfte entstehen zu lassen, zumal es dort nur TG-Stellplätze gibt.

Erforderlich ist für all dies ein anderer Arbeitsstil an der Rathausspitze. Kein bloßer Aktionismus, keine überzogene Selbstdarstellung in Presse und Öffentlichkeit, stattdessen solide Arbeit im Rathaus, gründlich erstellte Entscheidungsvorlagen und ein ehrlicher Umgang mit dem Gemeinderatskollegium.

 

Marlene Greinwald,  Dr. Heinrich Reiter,  Stefan Feldhütter

Gemeinderatsfraktion Freie Wähler Tutzing